Offenes Ohr für Schüler

Stephan Heuser berät SchülerSchulsozialarbeiter fängt Jugendliche in entscheidender Lebensphase auf

„Schaffe ich die Versetzung? Hänge ich zu lange vorm Computer? Finde ich einen Ausbildungsplatz mit meinen Noten?“ Das sind einige der Fragen, die den Schülerinnen und Schülern an den beiden Standorten des Goldenberg Europakollegs in Hürth und Wesseling Sorgen bereiten. Sorgen, mit denen sie sich seit einigen Wochen auch an Stephan Heuser wenden können. Der gebürtige Bonner und Vater von zwei Kindern, der bereits seit 20 Jahren als Sozialarbeiter tätig ist, verstärkt seit Januar das Kollegium des Berufskollegs.

Ermöglicht wurde seine Einstellung für zunächst zwei Jahre durch das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) der Bundesregierung. Schulsozialarbeit im Rahmen des BuT soll dazu dienen, insbesondere die Bildung und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen aus prekären Verhältnissen zu unterstützen. Von einer erfolgreichen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben hängt nämlich auch der spätere Einstieg in den Arbeitsmarkt ab. Stephan Heusers Aufgabe besteht vor allem darin, die Leistungen aus dem so genannten Bildungspaket an die Jugendlichen zu vermitteln, die einen Anspruch darauf haben. Häufig wissen die Schüler und Schülerinnen gar nicht, dass sie für Förderleistungen wie Lernförderung oder Schulbedarf berechtigt sind.

Der Schuldezernent des Rhein-Erft-Kreises, Anton-Josef Cremer, ist erfreut über die Möglichkeiten, die sich mit dem Einsatz der Schulsozialarbeiter an den Berufskollegs ergeben. „Als Träger der Berufskollegs sind wir in der glücklichen Lage, auch dort vermehrt Schulsozialarbeit leisten zu können und über Möglichkeiten des Bildungs- und Teilhabepaketes zu unterrichten. Wir haben aus unserem Anteil für jedes Berufskolleg – befristet bis zum 31.12.2013 – eine Stelle mit einer Fachkraft für Schulsozialarbeit eingerichtet“, so Cremer.

Stephan Heuser ist froh, ans Goldenberg Europakolleg gekommen zu sein: „Hier wird schon viel getan, die Kollegen sind sehr nah an den Sorgen und Nöten ihrer Schüler dran. Ich brauchte keine Sorge zu haben, dass Schulsozialarbeit hier nicht ernst genommen wird.“ Im Gegenteil: Der Wunsch nach einem Schulsozialarbeiter bestand seit vielen Jahren. Winfried Jansen, Bildungsgangleiter Berufsvorbereitung am Hürther Standort: „Meine Kollegen und ich haben ein Auge für Schüler, die bedrückt sind oder durch ein verändertes Verhalten im Unterricht auffallen. Wir verbringen viel Zeit in Beratungsgesprächen mit unseren Schülern und – wenn notwendig – auch ihren Eltern. Aber dabei geraten wir häufig in einen Spagat.“ Ein Spagat, der sich aus der doppelten Rolle als Ansprechpartner und Lehrer ergibt.

Dieses Dilemma braucht der Schulsozialarbeiter nicht zu befürchten, denn Noten verteilt er keine. Stattdessen steht er den Schülern und Schülerinnen für Einzelgespräche in seinem frisch gestrichenen Büro im Altbau der Hürther Schule zur Verfügung. Hier hört er vor allem zu. Und das nicht nur einmal. „Zeit und Geduld sind wesentliche Faktoren der Schulsozialarbeit. Zunächst einmal lasse ich die Jugendlichen ankommen; wir müssen Vertrauen zueinander entwickeln.“ Doch

auch tatkräftige Hilfe erfahren sie bei Stephan Heuser, der sie bei Praktikumssuche, Bewerbungsschreiben und auch BAföG-Anträgen unterstützt.

Aber nicht nur Einzelfallhilfe leistet Stephan Heuser. Im Bildungsgang der Berufsorientierung arbeitet er eng mit Siggi Pranke, Förderpädagoge und Fachlehrer für Sport, zusammen. Die beiden bieten ein umfassendes Bewerbungstraining an. Das ist nicht nur für die Schüler, sondern auch für den Schulsozialarbeiter interessant, denn hier erlebt er hautnah, in welche Richtung sich die Schüler entwickeln. „Sie treffen hier eine wichtige Entscheidung: Ist mir die Theorie wichtig, sodass ich weiter die Schule besuche, oder beginne ich eine Ausbildung, weil mich besonders die Praxis reizt?“

Siggi Pranke sieht auch deshalb eine Bereicherung in dem Schulsozialarbeiter, weil er seit einiger Zeit das Projekt „Gesunde Schule“ am Goldenberg Europakolleg betreut: „Gesund zu sein bedeutet nicht nur, dass man körperlich unversehrt ist und seine Fitness trainiert. Jeder weiß doch, wie sich die seelische Verfassung auf das Wohlbefinden eines Menschen und auf seine Arbeitsleistung auswirken kann – positiv wie negativ.“ Bei negativen Gemütslagen kann nun Stephan Heuser die Schüler und Schülerinnen auffangen.

Aber sein Wirkungsraum ist nicht nur auf die Schule beschränkt. Auch Hausbesuche stehen auf seinem Tagesprogramm, zum Beispiel bei Schulschwänzern. Die Gründe für das Fernbleiben vom Unterricht sind vielfältig und reichen von Liebeskummer und familiären Problemen bis hin zu Angststörungen, die es den Jugendlichen unmöglich machen, das Haus zu verlassen. Manchmal hat Stephan Heuser Erfolg und kann bei den Schülerinnen und Schülern Blockaden lösen. „Wichtig ist, ihnen aufzuzeigen, dass sich viele Probleme relativieren, wenn man sie einmal angeht. Dann steht auch einem regelmäßigen Schulbesuch nichts mehr im Wege.“ Manchmal sind die Probleme aber schwerwiegender, dann nennt er den Jugendlichen spezialisierte Beratungsstellen, beispielsweise bei Suchtproblemen.

Für die Lehrerinnen und Lehrer am Goldenberg Europakolleg besteht kein Zweifel: Schulsozialarbeiter Stephan Heuser stellt einen Gewinn für die schulische Arbeit dar. „Und unsere Freitags-Fußballtruppe verstärkt er ebenfalls,“ fügt Winfried Jansen augenzwinkernd.

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