Pilotprojekt CrashKurs NRW am Goldenberg Europakolleg Wesseling

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Ein weiterer Schritt in Richtung „Gesunde und sichere Schule“

Wesseling. Im Januar 2011 erfolgte der offizielle Start des Programms CrashKurs NRW, das in Deutschland noch einmalig ist, aber in England schon gute Erfolge gezeigt hat. Junge Fahranfänger sind zu einem viel zu hohen Anteil Verursacher oder Opfer von Verkehrsunfällen. Da soll der CrashKurs zu einem Umdenken und vorsichtigeren Handeln im Verkehr führen. Laut NRW-Minister für Inneres und Kommunales, Ralf Jäger, soll der CrashKurs bis 2011 flächendeckend in allen 10er und 11er Klassen und den Berufskollegs in NRW durchgeführt werden. Auch andere Bundesländer haben schon Interesse an dem Konzept gezeigt.

Als erste Schule im Rhein-Erft-Kreis konnten die Wesselinger Schülerinnen und Schüler des Goldenberg Europakollegs daran teilnehmen. Das CrashKurs-Team der Polizei Köln hatte mit Kollegen aus dem Rhein-Erft-Kreis und engagierten Lehrern – wie Andrea Breitenbach vom Goldenberg Europakolleg in Wesseling – diese Veranstaltung vorbereitet, am 5. April 2011 war es so weit. Mitarbeiter der Polizei aus den Kreisen Recklinghausen, Solingen, Wuppertal und Aachen, wo auch CrashKurs-Teams geplant sind, nahmen ebenfalls an der Veranstaltung teil.

Zwei wissenschaftliche Mitarbeiter von Professor Dr. André Bresges vom Institut für Physik und ihre Didaktik der Universität zu Köln, der das Programm begleitet und herausfinden will, wie das Programm auch nach einiger Zeit noch auf die jungen Leute wirkt, starteten um 9 Uhr mit der Befragung von Schülern der Wesselinger Berufsfachschulklassen. Diese Schüler werden Anfang Mai und vor den Sommerferien nochmals befragt werden.

Ungefähr 170 Schülerinnen und Schüler kamen dann um kurz vor elf Uhr in die Pausenhalle, die wohl noch nie so voll gewesen war. Der stellvertretende Schulleiter Karl-Wilhelm Friedrich, der seit fast 15 Monaten das Goldenberg Europakolleg leitet, begrüßte alle Anwesenden. Noch war die Stimmung recht locker, wenn auch neugierig gespannt.

Schlagartig wurde es stiller, als Silke von Beesten von der Polizei Köln die Moderation der Veranstaltung startete. Während der folgenden PowerPoint-Präsentation wurde es noch ruhiger. Die Anspannung war deutlich zu spüren. Die Bilder von Unfällen aus Köln waren schockierend, aber einigen Zuschauern wohl immer noch nicht schlimm genug. Man konnte sich ja auch noch einreden, dass alles ja auch noch irgendwie wie Fernsehen war und mit dem eigenen Leben wenig zu tun hatte.

Was dann kam, hatten aber weder Schüler noch Lehrer so erlebt. Das CrashKurs-Team stellte die „Rettungskette“ vor. Schnell wurde deutlich, dass alle Beteiligten dieser Kette persönlich ganz nah am Thema Verkehrsunfall und Unfalltod sind. Zuerst berichtete Polizeihauptkommissar Michael Kressin über das, was die Feuerwehrleute an Unfallorten erleben.

Anschließend erzählte Herr Fuchs von der Autobahn-Polizei Frechen von seinen sehr persönlichen und beruflichen Erfahrungen an Unfallorten. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können.

Dann stieg die Spannung noch einmal. Der Unfall-Chirurg Prof. Dr. Oliver Tobolski teilte ganz persönliche Erinnerungen und berufliche Erfahrungen bei seinen Einsätzen im Rettungshubschrauber mit den Schülern.

Frau Matz ermittelt, wenn schwere Unfälle passieren. Was sie berichtete, war noch berührender. Einigen Zuschauern stockte der Atem, denn es wurde nur zu deutlich, was der Tod für die Angehörigen, aber auch die Einsatzkräfte und Unfallverursacher bedeutet.

Als letzte sprach Frau Hengst. Sie will mit ihrem Handeln verhindern, dass Jugendliche, so wie ihre Tochter, Opfer von Verkehrsunfällen werden.

Zum Schluss mussten alle Schüler sich damit auseinander setzen, wie schnell Lebensträume zerplatzen können, wenn man im Straßenverkehr nur einmal eine falsche Entscheidung trifft. Diese Entscheidung – Fahren unter Alkohol-Einfluss, mit überhöhter Geschwindigkeit oder hoher Risikobereitschaft – kann nie mehr rückgängig gemacht werden. Das wurde allen Zuschauern sehr deutlich. Im Anschluss wurde der CrashKurs im Klassenverband thematisiert. In verschiedenen Fächern wird in den nächsten Tagen das Thema aus unterschiedlichem Blickwinkel erneut aufgegriffen werden.

Andrea Breitenbach ist sich mit allen Referenten und Organisatoren einig: „Es ging nicht ohne Aufwand, aber wenn durch den CrashKurs nur ein einziger schwerer Unfall verhindert wird, dann spielt der Aufwand keine Rolle.“

Im nächsten Schuljahr werden auch die Hürther Klassen des Goldenberg Europakollegs an einem CrashKurs teilnehmen können – dann mit dem CrashKurs-Team des Rhein-Erft-Kreises.

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