Goldenberg Europakolleg

Praktikum bei Minusgraden

Praktikum bei Restaurator 2_kleinHürther Schüler sammeln Arbeitserfahrung in Finnland

Hürth/Kouvola. Einen Temperaturunterschied von knapp 20 Grad Celsius erlebten Hürther Schüler, als sie letzten Freitag nach Deutschland zurückkehrten. Sie waren bei minus 14 Grad im finnischen Kouvola gestartet und kamen bei fünf Grad auf dem Flughafen Köln/Bonn an. Die elf Gestaltungstechnischen Assistenten des Goldenberg Europakollegs in Hürth hatten drei Wochen in Finnland verbracht: Nach einem Orientierungswochenende in der Hauptstadt Helsinki waren sie in nordöstlicher Richtung weiter nach Kouvola gereist, dem Ort der finnischen Partnerschule KSAO. Dort wohnten sie bei finnischen Gastgebern, von denen einige bereits im letzten November das Rheinland besucht hatten.

Schwerpunkt des Austausches, der vom Leonardo-da-Vinci-Programm der Europäischen Union gesponsert wird, sind Praktika in den finnischen Betrieben. Auch dieses Jahr organisierten die EU-Koordinatoren der KSAO geeignete Praktikumsbetriebe mit der notwendigen gestalterischen Ausrichtung. Die Goldenberger Schüler waren beteiligt an der Produktion einer Campus-Fernsehshow, restaurierten eine 150 Jahre alte Aussteuertruhe, arbeiteten am Layout einer regionalen Wochenzeitung oder entwarfen ein Musik-CD-Cover. Dabei waren sowohl kreative Ideen als auch handwerkliche Geschicklichkeit gefragt.

Sarah Boysen im Silberschmiedpraktikum 1_klein

Sarah Boysen (18) und Niklas Jäger (18) besuchten die Gold- und Silberschmiedeklasse der KSAO, wo sie feingliedrige Ketten und Silberringe anfertigten. Alle notwendigen Arbeitsschritte führten die beiden selbst durch. Zunächst schmiedeten sie einen Streifen Silber in Ringform zusammen. Dann wurde er in ein Säurebad getaucht, um die Verfärbungen zu entfernen, die das Schmieden verursacht hatte. Als nächstes musste der Rohling entgratet werden. Je nach gewünschtem Glanzgrad wurde dann poliert. Das Beste am Praktikumsplatz der beiden Goldenberger Schüler: Sie konnten ihre Arbeitsergebnisse als Mitbringsel mit nach Hause nehmen. „Diesen selbst entworfenen Ring werde ich meiner Mutter schenken“, freute sich Sarah.

Ebenfalls handwerkliche Fertigkeiten stellte Nadine Huke in ihrem Praktikum unter Beweis. In der Kürschnerei „ButikTii“, benannt nach der Eigentümerin Tiina Jarvinen, schnitt Nadine Huke (19) Handschuhe aus Naturleder zu und nähte sie anschließend zusammen. Tiina Jarvinen konnte sich dieses Jahr vor Aufträgen nicht retten, denn auch für finnische Verhältnisse war dieser Winter lang und kalt. Bei Tagestemperaturen von minus 14 Grad im März kann auch Nadine gut verstehen, warum Leder und Pelz in der finnischen Mode weiterhin beliebt sind. Die 19-Jährige näht auch in ihrer Freizeit: „Aber bisher eher Kissenbezüge“. Nach ihrem erfolgreichen Praktikum will sie sich an ihrer Nähmaschine nun auch an aufwändigere Kleidungsstücke wagen.

Einen Glücksgriff landete Vincent Alex (20) mit seinem Praktikum. Durch private Kontakte einer Lehrerin an der KSAO ergab sich die Zusammenarbeit mit einem finnischen Schauspieler und Musiker. Veli-Matti Karén spielt zurzeit in Helsinki eine CD mit Kinderliedern zu unterschiedlichen Berufen ein, die aus seiner Arbeit auf der Bühne entstanden sind. In einem Briefing-Gespräch erläuterte er sein Projekt Vincent, der daraufhin verschiedene Entwürfe für Cover und Booklet der CD per Hand zeichnete. Veli-Matti Karén wählte daraus einen Favoriten, dessen Bildsprache und grafische Gestaltung für die Zielgruppe Kinder besonders ansprechend ist. Die weiteren Arbeitsschritte erfolgen nun am Computer; mit etwas Glück ziert Vincents Entwurf bald das offizielle CD-Cover. Aber auch ohne diesen krönenden Abschluss brachte ihm das Praktikum wertvolle Erfahrungen. „Ich habe jetzt einmal den gesamten kreativen Prozess durchlaufen von der Ideenfindung bis hin zu ihrer Ausarbeitung. Wichtig ist, dass man nicht nur seine eigene Vision verwirklicht, sondern auch immer den Kundenwunsch im Blick behält.“ Vincent wird seine Entwürfe in die sogenannte Mappe aufnehmen. Mit dieser Sammlung künstlerischer Arbeiten bewerben sich die Gestaltungstechnischen Assistenten nach ihrem Abitur bzw. Fachabitur an Universitäten, Fachhochschulen und Akademien.

Diese Praktika helfen den Schülerinnen und Schülern bei der beruflichen Zielfindung. Sie wissen nun genauer, welche Fähigkeiten von ihnen in den jeweiligen Berufen erwartet werden. Nebenbei konnten sie ihr Englisch verbessern und schnappten auch einige Grundkenntnisse Finnisch auf.

Aber es wurde nicht nur gearbeitet: Die Freundschaften, die beim Besuch der finnischen Schülerinnen im vergangenen November in Hürth gesponnen wurden, haben sich nun verfestigt. Und es gibt bereits Pläne für private Besuche im Sommer. (MÜN)

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