Aller guten Dinge sind vier!

Letzter ViWo-Workshop der strategischen Partnerschaft findet auf La Palma statt

Drachten/Hürth/Kouvola/Santa Cruz. Am Montag, 6. März, begann der letzte Schüler-Workshop im Rahmen der zweijährigen strategischen Partnerschaft „Visual Wor(l)d“, kurz ViWo genannt. Gastgeber ist dieses Mal die Escuela de Arte Manolo Blahnik in Santa Cruz auf der spanischen Insel La Palma. Zu Gast waren Schüler und Lehrer aus den Niederlanden, Finnland und Deutschland.

Das Goldenberg Europakolleg nahm mit Auszubildenden der Werbetechnik an diesem Workshop teil: Jessica, Dana, Sandra sowie Marcel und Elvin sind Berufsschüler im zweiten bzw. dritten Lehrjahr. Dank der Unterstützung ihrer Arbeitgeber, die sie eine Woche lang im Betrieb freistellten, können sie die Chance eines europäischen Austausches nutzen und kommen damit dem Mobilitätsziel der Bezirksregierung Köln näher: Diese fordert, 10% aller Azubis eines Jahrgangs einen beruflichen Aufenthalt im Ausland zu ermöglichen – ein Ziel, welches das engagierte EU-Team des Goldenberg Europakollegs regelmäßig erreicht.

Jessica (28), Werbetechnik-Auszubildende im dritten Lehrjahr, nimmt bereits zum zweiten Mal an einem ViWo-Workshop teil. Sie war bereits bei der Auftaktveranstaltung im Januar 2016 im finnischen Kouvola dabei. Dort wurden ortstypische Materialien verwendet, um visuell faszinierende Impressionen zu schaffen. Weiterhin nutzte sie die kurzen nordischen Tage, um mittels Lightpainting Wortbegriffe in den Nachthimmel zu schreiben, die im Foto festgehalten wurden.

Schüler-Workshop – Druckverfahren im Textildruck

Auf La Palma stand ein Druckverfahren im Mittelpunkt: der Sublimationsdruck bzw. Transferdruck. Damit wird ein Druckverfahren bezeichnet, bei dem der Farbstoff in den Trägerstoff eingedampft, sprich sublimiert, wird. Dafür sind Transferpapiere und Spezialtinten notwendig, die unter Wärmezufuhr auf synthetische Fasern sublimiert werden. Die Vorteile beim Sublimationsverfahren: Es können unterschiedliche Materialien in Fotoqualität bedruckt werden und die Kosten sind geringer als bei herkömmlichen Druckverfahren. Aber der entscheidende Pluspunkt ist – eine bessere Umweltverträglichkeit. Außerdem ist der Druck sehr widerstandsfähig gegen UV-Strahlung und andere Umwelteinflüsse.

Auf La Palma bedruckten die Schüler damit T-Shirts, die sie als Souvenir an den Workshop mit nach Hause nehmen konnten. In Jessicas Gruppe fiel die Wahl auf ein Motiv aus der Mystik. Eine gute Entscheidung für Jessica, die sich auch in ihrer Freizeit für Esoterik interessiert: „Aus diesem Bereich habe ich die Glaskugel einer Wahrsagerin und die aussagestarken Tarotkarten „Strength“ und „the Lovers“ gewählt. Von der Farbpalette habe ich Pastelltöne verwendet, da ich den Eindruck eines Aquarellbildes vermitteln wollte.“ Zunächst zeichneten die Schüler ihre Entwürfe entweder traditionell mit Stiften oder digital am PC. Danach bearbeiteten sie diese mittels der Grafikprogramme Photoshop und Illustrator, um die Druckvorlage zu erhalten. Ganz wichtig dabei, wie Elvin (20) erläutert: „Schriften und Logos müssen auf der Vorlage gespiegelt sein, damit man sie nach dem Druck seitenrichtig lesen kann!“ Im Anschluss griffen die Schüler aus den vier Partnerländern einzelne Elemente aus ihren individuellen Entwürfen heraus und kombinierten sie zu einem gemeinsamen Motiv.

Jessica ist ganz begeistert vom Druck-Projekt, denn in ihrem Ausbildungsbetrieb nimmt Textilveredelung eine große Rolle ein: „Wir arbeiten vor allem mit dem Flexfolien-Transferdruck, deshalb finde ich es besonders interessant, ein anderes Druckverfahren kennen zu lernen.“ Auch das Ausbildungsangebot des Goldenberg Europakollegs wird dadurch abgerundet wie Marina Kittler, Fachlehrerin für Drucktechnik erklärt: „Auf dem Schullehrplan stehen Verfahren wie Sieb- und Großformatdigitaldruck.“

Lehrerworkshop – Erfahrungsberichte und Best-Practice-Beispiele in der Kooperation mit externen Partnern

Die Lehrerdelegationen aus den vier Ländern hatten ebenfalls ein anspruchsvolles Programm: Nachdem in den früheren Treffen Kreativmethoden und didaktische Impulse für innovativen Unterricht erarbeitet worden waren, ging es dieses Mal vor allem um die Kooperation mit den externen Partnern einer Schule, seien es die Lehrbetriebe des dualen Systems oder Praktikumsbetriebe. Der Austausch darüber zeigte die spezifischen Probleme, aber auch Best-Practice-Beispiele der einzelnen Schulen. Während Schulen wie die spanische Escuela de Arte vor allem damit zu kämpfen haben, dass sie durch ihre Insellage kein großes Einzugsgebiet und damit keine große Auswahl an möglichen Kooperationspartnern haben, ergibt sich für die finnische KSAO das Problem, dass es in der Region viele Ein-Person-Manufakturen gibt. Die qualitativ gute Betreuung eines Schülerpraktikanten ist für solche Betriebsformen schwierig zu leisten.

Die Hürther Berufsschule sieht vor allem das Gewährleisten von Ausbildungsinhalten als zentralen Punkt an. Durch die Vielzahl mittelgroßer Handwerksbetriebe mit ihren verschiedenen Spezializierungen wie beispielsweise Messebau oder Autofolierung, ist es notwendig, für jeden Auszubildenden die Vermittlung prüfungs -und natürlich auch berufsrelevanter Inhalte zu gewährleisten – auch um eine spätere Mobilität der Werbetechniker sicherzustellen. Hier leistet das Goldenberg Europakolleg als dualer Partner im theoretischen und praktischen Unterricht die unerlässliche Bildungsarbeit, um unter der Berücksichtigung notwendiger beruflicher Spezialisierung berufs- und berufsfeld-übergreifende Qualifikationen zu vermitteln und außerdem berufliche Flexibilität zur Bewältigung der sich wandelnden Anforderungen in Arbeitswelt und Gesellschaft – auch im Hinblick auf das Zusammenwachsen Europas – zu entwickeln.

Das Lehrerteam aus Hürth präsentierte dazu den Partnerschulen Beispiele zur organisatorischen und inhaltlichen Abstimmung von Berufsschulunterricht und betrieblicher sowie überbetrieblicher Ausbildung.

Besonders interessant waren dabei für die Kolleginnen und Kollegen zwei Besonderheiten:

  • die Erfahrungen im Bildungsgang mit den Lehrgängen der überbetrieblichen beruflichen Bildung zur Anpassung an die technische Entwicklung, auch ÜBA, ÜBL oder ÜLU genannt
  • und der regelmäßige bundesweite Austausch der Kollegien aus den Werbetechnikbildungsgängen.

Kulturprogramm

Abgerundet wurde der Workshop durch ein kulturelles Begleitprogramm. Während eines Besuchs im archäologischen Museum der Insel in Los Llanos de Aridane, lernten die Jugendlichen und ihre Lehrer das Leben der Ureinwohner der kanarischen Inseln, der Benahoarita, kennen. Das modern gestaltete Museum, das dieses Jahr seinen 10. Geburtstag feiert, vermittelt auf anschauliche Art, wie die Ureinwohner ihr Leben gemäß der Jahreszeiten und des Klimas eingerichtet hatten. Schon früh entwickelten sie einen Mondkalender, der das Leben der Hirten bestimmte und den sie in archäologischen Artefakten festhielten.

Als die Hürther Berufsschüler das Seidenmuseumin El Paso besuchten, konnten sie die Entstehung von Seide in den verschiedenen Phasen betrachten. Eine sehr anschauliche Darstellung, lobte Dana (20): „Ich finde es erstaunlich, dass für die Erzeugung von nur einem einzigen dünnen Seidenfaden 20 Kokons benötigt werden.“ Ihr gefiel es auch, dass an jeder Station der Seidenerzeugung Materialproben zum Berühren auslagen, sodass sie fühlen konnte, wie sich die Seide mit jedem Verarbeitungsschritt veränderte – von borstig und klebrig hin zu weich und geschmeidig. Einen weiteren Punkt fand Dana sehr interessant: „Die Farbeffekte aller Seidenspulen, die wir gesehen haben, wurden mit natürlichen Materialien erzeugt. Und trotzdem kommt eine große Farbvielfalt zustande.“

Das Museum fungiert gleichzeitig als Manufaktur und so konnten die Jugendlichen sehen, wie palmerische Frauen an historischen Webstühlen Seidenstoffe herstellen, die im Museumsshop als Schals, Tücher oder Krawatten verkauft werden.

Fazit

Marina Kittler, verantwortlich für die Organisation der strategischen Vier-Länder-Partnerschaft auf deutscher Seite, zeigt sich überaus zufrieden mit dem Verlauf des letzten Workshops: „Das war eine rundum gelungene Woche – die Schülerteams aus den verschiedenen Ländern haben sich von Anfang an gut verstanden. Und auch die sprachliche Verständigung während der Projekte klappte von Tag zu Tag besser. Es macht einfach Spaß, die Fortschritte zu sehen.“ Dass die Kontakte auch über die Workshops hinaus Bestand haben, ist mittlerweile eine Tatsache. So waren ehemalige Schüler der Escuela extra zum Flughafen gekommen, um die Neuankömmlinge zu begrüßen und auf vertraute Gesichter von früheren Workshops zu treffen.

Das Evaluationstreffen zum Abschluss der strategischen Partnerschaft wird im Mai im finnischen Kouvola stattfinden.

Weitere Informationen dazu unter:

viwoproject.blogspot.de

http://viwoworkpackage4.blogspot.de/